Grundstufe: Projekt Schafe

Vom Schaf zur Wolle

... so steht es im Lernplan der 4. Klassen in ganz Bayern und auch wir beschäftigen uns im Fach WTG mit dem Werdegang der Wolle, doch die Montessori-Kinder wollen es genau wissen und erleben:

 

Wo kommt die Wolle her, wie fühlt sie sich an und was ist eigentlich Kardieren? Antworten finden wir beim GoingOut auf einem Hof in Auhof.

 

Wir erhalten die tolle Möglichkeit an diesem Lernort den Werdegang der Wolle vom Ursprung bis zum Endprodukt mit allen Sinnen zu erleben.

 

 

Frühmorgens um 8:00 besuchen wir die Schafherde auf der Weide. Die Hofbesitzerin erklärt uns, wie wir uns den Schafen richtig annähern können, was es bedeutet, dass das Schaf ein Herdentier ist, und warum die Herde nur aus Damen besteht.

 

Langsam, langsam treiben wir die Schafe in ein Gatter, wir sind ganz vorsichtig, denn es darf unter keinen Umständen geschrien oder gerannt werden.

 

Als alle Tiere im Gatter eingesperrt sind, haben die Kinder die Möglichkeit, die Schafe zu streicheln und die Wolle zu spüren. Darauf haben sie schon lange gewartet und das Erstaunen ist groß, wie dick und fettig sich das Fell anfühlt.

 

Die Hunde fangen laut an zu bellen, denn soeben kommt der Schäfer, der die Tiere scheren wird. Er hat seine Maschine mitgebracht, die wie ein überdimensionierter Rasierapparat beim Friseur aussieht. Die Maschine wird an einen Frontlader aufgehängt, ein Podest wird auf den Boden gelegt und schon kann es losgehen. Doch halt, da haben die Kinder noch ein paar Fragen: „Tut das den Schafen weh?”, “ Werden sie verletzt?”, “Bleiben sie ruhig liegen?”... Der Mann beantwortet alle Fragen und ergänzt, dass die Tiere ruhig bleiben, wenn man sie richtig hinsetzt. Und dann geht es los: Der Landwirt holt ein Tier aus dem Gatter und setzt es vor den Schafscherer, der hält das Tier gut fest und schert es innerhalb von 10 – 15 Minuten. Das Fell wird fast in einem Stück geschoren und die Kinder dürfen die Felle in bereitstehende Kisten legen. Wir trennen die Felle der dunklen und der hellen Schafe. Jetzt kann man die Rohwolle auch riechen und manche Kinder sind so begeistert, und auch etwas durchgefroren, dass sich sich mit in die Kisten setzen und sich von den Fellen wärmen lassen. Das „nackte“ Schaf läuft zurück zu seiner Herde und wartet außerhalb des Gatters. Beim nächsten Tier werden wir darauf hingewiesen, dass dessen Euter größer ist, als bei den anderen. Sie erklärt uns, dass das Schaf trächtig ist und dies ein eindeutiges Zeichen dafür ist, dass es bald ein Lamm gebären wird.

 

 

 

Wir lassen die Männer alleine weiterarbeiten und gehen mit 5 Kisten voll Felle in die warme Küche des Bauernhauses. Wir betrachten uns die Felle genau, die teilweise sehr schmutzig sind und verstehen schnell, warum Rohwolle gekämmt oder kardiert werden muss. Wir untersuchen die Faser der Wolle und die Hofbesitzerin zeigt uns ihre Kardiermaschine, die aus 2 Walzen besteht. Die Nagelwalzen können also unsere Wolle kämmen. Wir arbeiten abwechselnd. Immer 2 Kinder legen gezupfte Stücke der Rohwolle auf die laufenden Walzen und sortieren dabei die verdreckten Stellen der Felle aus. Die Kinder staunen, wie fettig ihre Hände werden. Wir entdecken das Wollfett Lanolin und besprechen dessen Eigenschaften. Lanolin schützt die Tiere vor Feuchtigkeit und hat heilende Wirkung. Sind die Walzen „voll“, muss die Maschine angehalten werden und eines der Kinder schneidet das gekämmte Wollflies durch und wir nehmen es von den Walzen. Früher wurde die Wolle auch mit Handkarden gekämmt. Wir bekommen ein Paar Handkämme. Damit sind wir nicht so erfolgreich und merken schnell, dass uns das Geschick und das Können dazu verloren gegangen ist. Gut, dass wir eine Maschine haben. Die kardierte Wolle kann nun gefärbt werden. Es stehen große Einmachgläser, Rotkohl, Zwiebeln und rote Beete bereit. Jetzt kommen auch die mitgebrachten Nylonstrumpfhosen zum Einsatz. Zuerst müssen die Kinder das Gemüse kleinschneiden und sich dabei schon überlegen, in welcher Farbe ihre Wolle gefärbt werden soll. Das Gemüse wird in die Strümpfe gestopft und gemeinsam mit der Wolle und einem Essigsud in die Gläser gefüllt. „Was machen wir eigentlich mit der gekämmten und gefärbten Wolle?“ ist eine berechtigte Frage von eines der Kindern. „Wir wollen in ein paar Wochen mit euch gemeinsam ein Paar Hausschuhe aus dieser Wolle herstellen. Wir werden filzen“, erklären die Erwachsenen. Die Kinder können es kaum erwarten und würden am liebsten gleich damit beginnen, doch erst muss die Sonne helfen, die mit ihren UV-Strahlen den Färbeprozess unterstützt. Die in die großen Gläser eingelegte Wolle wird erst durch das Solarfärben zu roter, gelber oder lila Wolle. Das dauert einige Zeit und das ist gut so, denn wir werden erst filzen, wenn die Temperaturen steigen und wir draußen auf der Terrasse arbeiten können. Nach einem Schafrätsel und dem Beginn eines Berichtheftchens geht ein erlebnisreicher und auch anstrengender Tag zu Ende.

 

Die Kinder sind glücklich und zufrieden und haben nicht nur etwas über die Herkunft der Wolle gelernt, sondern auch über ihre handwerklichen Fähigkeiten, ihre Ausdauer, was Teamarbeit bedeutet, den rücksichtsvollen Umgang mit Tieren und auch den kleineren Kindern der Familie. Wir haben den achtsamen Umgang mit Maschinen, den Beruf des Schäfers und das Leben auf dem Bauernhof kennengelernt und vor allem richtig erlebt

 

So freuen wir uns schon jetzt, wenn wir wieder auf dem Lebenslernort der Familie Schuster einen ereignisreichen Tag verbringen dürfen, um unsere traditionellen Hausschuhe der Viertklässler selber herzustellen.